Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (Uni-Taschenbücher S)
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Verblüffende Kehrtwendung
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (Uni-Taschenbücher S) (Taschenbuch) Schumpeters Stil kommt für heutige Wirtschaftswissenschaftler-Ohren etwas altertümlich daher und wer sich nicht speziell für ''Die Marxsche Lehre'' interessiert, sollte Schumpeters Rat im Vorwort beherzigen und Kapitel 1 bis 4 überspringen.

Danach stellt Schumpeter sehr wohlwollend die Errungenschaften des Kapitalismus dar, der trotz immer wiederkehrender Krisen eine ungeheure Steigerung des Wohlstands der Massen ermöglichte. Gerade die Armen haben vom Kapitalismus profitiert. Ein feudaler Aristokrat, der genug Geld hatte um Diener und Kerzenleuter zu bezahlen, wird das dank Kapitalismus allgemein verfügbar gewordene elektrische Licht weitaus weniger schätzen als ein Arbeiter. Dem ''Prozess der schöpferischen Zerrstörung'' folgend, sorgen im Kapitalismus wagemutige Unternehmer, ohne etwas anderes anzustreben als ihrem Profit, dafür, dass veraltete Produktionsmethoden, Produkte und Organisationsformen durch neue ersetzt werden. In einer zunächst verblüffenden argumentativen Kehrtwendung kommt jedoch Schumpeter zu dem Schluss, dass sich dieser Prozess irgendwann totlaufen wird. Deshalb verliert der Kapitalismus gewissermaßen seine Daseinsberechtigung und wird dann durch Sozialismus ersetzt.

Im Laufe der kapitalistischen Entwicklung werden nur wenige die Märkte monopolisierende Großunternehmen übrig bleiben. Das ist auch gut so, weil gerade dadurch die Kostenvorteile durch Massenproduktion am wirkungsvollsten genutzt werden. Dem Modell der vollständigen Konkurrenz entsprach der Kapitalismus, so Schumpeter, ohnehin nie. Diese Großunternehmen werden nicht dem ''bourgoisen'' Ideal einer vom Eigentümer geführten Unternehmung entsprechen, sondern bürokratisierte Aktiengesellschaften sein, deren Chefs im Angestelltenverhältnis stehen und das Geld anderer Leute verwalten. Profitträchtige Investitionsgelegenheiten schwinden, technischer Fortschritt wird planbar und nur noch in bürokratisierten Entwicklungsabteilung der Monopolunternehmen stattfinden. Der Kapitalismus wird schließlich ohne viel Federlesen durch eine sozialistische Planwirtschaft ersetzt, die frei von krisenhaften Konjunkturschwankungen und Depressionen ist.

Im 1942 verfassten Nachwort äußert er die Vermutung, dass durch die kriegswirtschaftlichen Maßnahmen die Fahrt zum Sozialismus überall, auch in den USA, rasant beschleunigt wird. Diese sozialistische Zivilisation wird aber nicht so aussehen wovon orthodoxe Sozialisten träumen, sondern sehr viel wahrscheinlicher faschistische Züge zeigen.

Im letzten Teil entwickelt Schumpeter ''eine andere Theorie der Demokratie'' die er der ''klassischen Lehre der Demokratie'' gegenüberstellt. Diese ''andere Theorie der Demokratie'' gab vielleicht den entscheidenden Anstoß für das, was heute ''Neue Politische Ökonomie'' genannt wird. Ich fand diesen Abschnitt neben dem bekannten ''Prozess der schöpferischen Zerrstörung'' den interessantesten Teil des Buchs.

Wie wir heute wissen, haben sich die Dinge in entscheidenden Punkten - wohl eher zum Glück - nicht so entwickelt, wie es Schumpeter vorhergesehen hat. Er unterschätzte massiv die Kräfte des Wettbewerbs, der auch dann wirkt, wenn nur wenige große Unternehmen gegeneinander konkurieren. Außerdem kommen viele bahnbrechenden Neuerungen nicht geplant aus den Entwicklungsabteilungen der Großkonzerne, sondern ungeplant aus vielen kleinen "start-ups".

Nachdem ich mich an die schumpetersche Rhetorik gewöhnt hatte, fand ich in dem Buch viele interessante Ideen. Es ist auch kein ''Ideen - Sammelsurium''. Die einzelnen Teile passen gut zusammen. Die Kehrtwendung zum Sozialismus hat mich nicht wirklich überzeugt, aber viele seiner Analysen sind in sich stimmig.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 9. August 2009
Kundenrezensionen:
3. Dem Kapitalismus ist die selbstzerstörende Mechanik immanent
2. Verblüffende Kehrtwendung (die aktuell angezeigte Rezension)
1. sehr zufrieden
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